Wohlstands-Nihilismus und die Chancen seiner demokratischen Überwindung

Eine Strukturanalyse des gegenwärtigen zivilisatorischen und kulturellen Wandels

Teil 1

Essay

Der Kampf der Demokratie mit ihrem nihilistischen Erfolgs-Bewusstsein

Wir leben in verrückten Zeiten. Verrückt, weil viele Bürger in ihrem Bewusstsein Maß und Mitte verloren haben. Weil sie dabei sind, ihre eigene Welt zu zerstören. Denn nicht wenige haben damit begonnen, ein zutiefst pessimistisches Bewusstsein zu entwickeln. Jenseits der Mitte der Vernunft und der Realität und ungeachtet des Wohlstandes, in dem sie und wir alle hier leben. Was hat ihren Bewusstseins-Wandel bewirkt? Welche Gründe haben sie veranlasst, den Weg des Nihilismus einzuschlagen? Worauf bauen die geistigen Konstruktionen dieser Weltsicht? Hören wir die Rede einer Mutter. Versuchen wir zu verstehen, warum und wie sie die Zukunft ihrer Tochter beurteilt, die in der Digitalindustrie arbeitet. Den Ursprung sowie die Basis des neuen Nihilismus sehen die Bürger selbst in der kybernetischen Moderne. Suchen wir schließlich nach den Chancen unserer Demokratie, diesen selbstgemachten Nihilismus zu überwinden.

„Meine Tochter ist intelligent, bestens ausgebildet und spricht drei Sprachen. Sie lebt nicht hier. Sie ist überall in der Welt unterwegs. Sie arbeitet in der digitalisierten Industrie. Dort entwirft sie Programme, die das Wissen ihrer Branche digital verfügbar machen. Und da musste sie schon erfahren, dass ihre eigenen Programme sie ersetzen. Ihre Arbeit wird zukünftig das Programm machen, das sie selbst programmiert hat. Damit macht sie sich doch über den Erfolg ihrer Arbeit selbst arbeitslos. Ist das nicht ein Irrweg? Führt das nicht dahin, dass unsere Kinder den Wohlstand nie halten können, den wir jetzt haben? Sie werden absteigen und die Opfer ihres eigenen Erfolges sein.“

Die Opfer sind durch ihre Mitarbeit auch die Täter. Das versteht vor allem die Mutter. Doch die Täter wollen und sollen nicht Opfer ihrer eigenen Mitarbeit werden. Das wünscht sich auch die Tochter. Nicht in einem „System“, das ihnen beiden unheimlich erscheint. Von dem aber vor allem die Mutter glaubt, dass dieses System auf einem „Irrweg“ unterwegs ist. Die Tochter hingegen fühlt sich mitgenommen und gleichzeitig ohnmächtig. Sie kann dagegen weder etwas tun noch ihre Mitarbeit verweigern. Ob beide wissen, was die Ursachen jener Ohnmacht sind, ist zweifelhaft. Eine irgendwie geartete Mit-Schuld für ihre Zukunft lehnt aber vor allem die Tochter ab. Diese Haltung teilt sie mit ihrer Generation. Die neue Gruppe der gutbezahlten „Informatiker“ [1] hält sich „für schuldlos.“ Doch mit der Mitarbeit steht der Gedanke der Mitverursachung wie ein ungebetener Gast im Raum. Denn, soviel ist doch sicher! Ohne die Mitarbeit der „digitalen Arbeiter“ wären die „Wissensmaschinen“ und die globale „Wissensgesellschaft“ nicht entstanden. Trotzdem kommt ihnen ihre Lebenslage wie ein Schicksal vor. Unabwendbar, sonst wäre es ja kein Schicksal!

Warum ein Schicksal und warum auch noch unabwendbar? Seit es den Schicksalsglauben gibt, erfüllt er eine Funktion und liefert seinen Gläubigen einen einmaligen Vorteil. Er entlastet die Menschen seit jeher aus ihrer Verantwortung für die Gestaltung ihrer Zukunft. Ein Gott hat das Glück zu verursachen. Und die Verantwortung für das Unglück fällt in den Bereich des schlechten Systems. Warum aber greifen gerade heute gebildete „Wissensarbeiter“ zu diesem veralteten Schicksals-Trick? Niemand weiß – so wie die Wissenschaftler – , dass es das „digitale Schicksal“ ohne ihre Mitarbeit gar nicht gibt! Warum verleugnen sie das Offensichtliche? An dieser Klippe der Selbsterkenntnis wechseln auch Wissenschaftler gerne vom „Ich“ ins neutrale „Man“. Im großen System sei „Man“ halt immer der „Kleine“. Und die Kleinen dürfen ja für ihre „kleine Ohnmacht“ von jeher bedauert werden. Sie dürfen Opfer sein! Weil es nach diesem Muster der Selbstreduktion zum Täter-Sein nicht reicht, macht man sich zum Opfer und wählt das Opfer-Dasein.

Für die kleinen Täter ist das Dasein als Opfer deshalb so attraktiv, weil man verschämter Verursacher sein darf. Denn eigentlich müsste man sich ja schämen, wenn man für das eigene Tun als Verursacher nicht eintritt. Aber als Man ist man ja eigentlich ein Niemand! Als Opfer ist man nämlich „der Arme“ und darf passiv sein. Man muss sich für seine Schwachheit nicht mehr schämen. Als Opfer darf man die Kraft zur Täterschaft verdrängen. Und was man nicht verursacht hat – weil man es ja verleugnet – dafür muss man auch keine Verantwortung übernehmen. Die Idee von der „ohnmächtigen Täterschaft“ ist jedoch ein Trick und eine Selbstlüge. Wer lebt, ist immer mit-tätig. Um der Verantwortung für ihre Mittäterschaft zu entgehen, greifen die Menschen seit jeher zu einem weiteren Trick. Es ist die Idee vom ungeheuren Automatismus der Technik. Sie ist nicht nur so alt wie der Schicksalsglaube und seine Schattenseite. Man ist darin – wie Oedipus – „schuldlos schuldig“ (Sophokles) an den technischen Umwälzungen im eigenen Leben.

Die technische Zivilisation wird seit jeher als ungeheure Realität verstanden, an der wir alle zwangsweise mitarbeiten. Immer dort, wo die Technik welt-um-wälzende Folgen zeigt, treffen wir wieder auf den Schicksalsglauben. Denn es gibt überall Übergänge, unsichtbare Brücken von unserer technischen zu unserer kulturellen Welt. In diesen Übergängen sind zu allen Zeiten die unheimlichen Folgen aufgetaucht, die jede Technik verursacht hat. Die Zivilisation muss durch menschliche Gesetzgebung gesteuert werden, weil die Probleme sich nicht von alleine lösen. So schwingt unser menschliches Problem seit der Ersten Moderne (Antike) zwischen zwei Polen: Der „Ungeheuerlichkeit“ einer technischen Welt und der „ Unheimlichkeit“ ihrer Auswirkungen auf unser kulturelles Leben.

„Viel ist ungeheuer, nichts / ungeheurer, als der Mensch.

(…)

Mit kluger Geschicklichkeit für / die Kunst ohne Maßen begabt,

kommt heute er auf Schlimmstes, auf Edles morgen.“ [2]

Diese Sätze über das Wesen des Menschen hat Sophokles an den Anfang der Tragödie Antigone gesetzt. Damit spricht er ein Grundproblem an, das alle Zeiten übergreift. Der Mensch erfindet eine technische Welt. Sie ist „ungeheuer“ kraftvoll, weil sie sein Leben positiv verändert. Und doch ist ihm doch auch unheimlich. [3] Sie kann mit der einen Hand wieder nehmen, was sie ihm mit der anderen Hand gab. Gerät sie in die falschen Hände, so zerstört sie sein Heim und damit seine Lebens-Welt. Sophokles hat für dieses Existenzproblem des Menschen keine Lösung. Doch er sieht einen Lösungsweg. Für ihn findet sich der Weg in der demokratischen Stadt. In ihm haben die Bürger den kulturellen Raum geschaffen. In ihm erfinden sie eigene Gesetze. Nur die können ihm helfen, dem selbstgemachten Schicksal der Selbstzerstörung zu entgehen. Aber diese Gesetze muss der Bürger sich mit dem Bewusstsein geben. Und er muss wissen, dass der Geist seiner Gesetze sich in der Sorge um seine Zukunft bildet. Es ist also eine Zukunft, die er sich selbst gibt. Er muss sich machen und Täter einer Zeit werden, die da vor ihm liegt. Die liegt aber für ihn – damals wie heute – in einer Zeit, die er nicht kennt. Und doch öffnet jeder von uns täglich die Tür zur kommenden Zeit. Denn in der der Sorge um das Gelingen unseres Lebens gehen wir jeden Tag zur Arbeit. Entwirft der Informatiker Programme. Doch diese Öffnung der Zeit durch unser Handeln war und ist den Menschen seit jeher unheimlich. Sie ist ihm fremd. Und doch muss er für diese fremde Zeit Gesetze erfinden. Sie sollen ihn vor den kommenden Gefahren schützen. Damit ist die Selbstgesetzgebung kein Schicksal. Aber ein Geheimnis liegt doch in ihr. Sie kann nur gelingen, wenn wir uns zu unserer Täterschaft für die Zukunft bekennen.

1. Die Unheimlichkeit der technischen Folgen für unser soziales System

Sophokles war der Erste, der diese bittere und zugleich großartige Wahrheit entdeckt. Wir sind die Täter, die sich selbst zu Opfern machen. Und wir sind gleichzeitig die Opfer, die nicht Täter sein wollen. Beides gehört zum Rätsel und zur Offenbarung über das Wesen vom Menschen. Die Dialektik zwischen Fortschritt und Rückschritt – als möglicher Rückschritt durch den Fortschritt – , diese Rätsel liegt hier offen vor uns. Sophokles sah darin ein „zeitlos gültiges“ [4] Problem unserer Existenz. Die Technik kann sich an einem tragischen Punkt gegen seine Erfinder wenden. Dann kann sich der Erfolge der Erfinder zu einem sozialen Rückschritt in seiner Lebenswelt verwandelt. Warum? Weil der Mensch durch die Technik, mit der er seine Stadt (pólis) aufbaut, sie im Übermut (hýbris) auf vielfältige Art und Weise auch wieder zerstören kann.

Wenn er durch seine Technik seine Lebenswelt zerstört, wird er stadtlos (ápolis) und heimatlos. [5] Paradoxerweise geschieht das in der technischen Welt durch die „kreative Zerstörung“ (Schumpeter [6]). Durch technische Innovationen. Was ihn seit jeher durch Apparate entlastet hat, was ihn begeisterte und Arbeit gab, das kann seine Arbeitswelt durch den technischen Wandel auch wieder zerstören. Das eben ist die ungeheurere Wirkung die immer über den Rahmen der Technik selbst in die Ökonomie hinaus wirkt. Durch die fortschrittliche Technik entsteht eine Dialektik der sozialen Folgen. Die positive Entwicklung kann ins Negative kippen. An dieser Stelle zwingt der Fortschritt den Bürger, die Veränderungen zu bewerten. Oft sieht und empfindet er sie als Abgrund. Und so wird das faszinierend Neue – von dem er lebt – unter der Hand zu einer ungeheuren Macht die er dann ablehnt, wenn er glaubt, sie als Ökonomie nicht steuern zu können.

Seit jeher sucht der vernünftige Teil der Menschheit nach der positiven Dialektik, um der Gefahr (deinós) durch den Fortschritt zu entkommen. Zwischen der ungeheuren Technik der Zivilisation und dem ebenso machtvollen wie unheimlichen Sozialsystem der Kultur gibt es seit jeher geheime Übergänge. Jede Kultur musste sich damit auseinandersetzten. Immer war es der geheimnisvolle Geist, der durch Erfindungen in der materiellen Welt produktive Vorteile erzeugte. Die haben auf der Seite der Kultur jedoch immer auch zu Nachteilen geführt.

  • In der Landwirtschaft war die Erfindung der Fruchtfolge und die Viehzucht ein Erfolg. Sie führte jedoch auch zur Auslaugung der Böden und zur Überweidung des Landes durch zu große Herden.
  • In der Industrie haben die Nutzung der fossilen Energie und das Fließband weltweit eine ungeheure Produktivität hervorgebracht. Sie führte gleichzeitig Ausbeutung der fossilen Rohstoffe und des Fließbandarbeiters. Heute hat die industrielle Übernutzung der Erde zum ökologischen Weltproblem geführt – und beim industrialisierten Menschen zur gesundheitlichen Abnutzung und seelischen Überbelastung (Burn-Out).

Es war der Erfindergeist, der die gesamte Lebenswelt der Menschheit durch Erfindungen verändert hat. Innovationen haben zu einer Transformation der Gesellschaft geführt. Das war und ist das unheimliche Geheimnis des menschlichen Geistes. Er wälzt die Erde technisch um und erzeugt eine ökonomisierte Welt. Er zerstört alte Verhältnisse und lässt neue Kulturen entstehen.

In der ersten und zweiten Moderne konnten die Menschen die Resultate ihrer Erfindungen in den nützlichen Dingen (Produkte) noch sehen. Aber auch damals verschwand die Berechnung des Architekten im Bauwerk. Im Fließband der Fabrik wirkte die Erfindung der Ingenieure wie von „unsichtbarere Hand“. Die Ingenieure waren die Maschinenmeister der industriellen Moderne. Ihre Erfindungen verschwanden in den Produkten. Und doch spielten der Erfolg und die Täter dieses Erfolges am Ende auf der Ebene des Sichtbaren. Die industriellen Güter kann man sehen, anfassen und nutzen.

Die Produktivität und ihre Ursache (Innovationen) entzogen sich jedoch auch in den vorhergehenden Modernen dem Auge. Damit entstand das Problem von „Wissen ist Macht“ (Francis Bacon). Doch mit der Wissensmacht bekam die Menschheit noch ein Folge-Problem geschenkt. Man kann auch die Macht selbst nicht sehen. Wir erleben diese Macht in der Welt nur im tagtäglichen Umgang mit den hergestellten Dingen. In diesen Dingen stecken sowohl der schöpferische Geist als auch seine Wirkungsweisen. Weil man jedoch die geistigen Ursachen des machtvollen Wissens – die Erfindung / das Patent – selbst nicht sieht, wurden die Erfolge immer mystifiziert. Das war und ist ein Fehler. Der menschliche Geist ist nichts Mystisches. Er ist etwas geheimnisvoll Nützliches.

Heute in der dritten – der kybernetischen Moderne – gibt es eine direkte Transformation des Geistes. Wissen wird als Information in den technischen Nutzen umgesetzt. Die Steuerung durch kybernetische Programmabläufe[7] kann man aber überhaupt nicht mehr sehen. Doch gerade die „Information“ in den Programmabläufen ist das „Produkt“. Man sieht die geistigen Resultate der Erfindungen erst sehr viel später. Wenn überhaupt! Denn wenn die Produktivität der Steuerungstechnik sichtbar wird, dann nur an der Veränderung in den Arbeitsabläufen. In der Schweißhallen – der Autoindustrie – arbeiten nur noch Roboter. Unter dem Geschichtspunkt der „Humanisierung der Arbeit“ ist das außerordentlich positiv. Sie übernehmen dort Arbeitsgänge, die ungesund, monoton und oft auch geisttötend sind. Aber damit hat sich unter der Hand auch eine Umkehrung im Hinblick auf die Produktivität ereignet. Das „produktive Ding“ ist das Steuerungsprogramm. Es steht am Anfang der Produktion und steuert sie wie von Geisterhand. Deshalb kommt die Macht der Algorithmen den Menschen in der Tat so unheimlich vor. Sie entspringt einem undinglichen Informationsfluss. Der wiederum steuert mittlerweile auch den Lauf der Welt (GPS, Galileo usw.) durch Satellitensysteme. Auf dieser Basis gibt es ein Welt-Finanz- und ein Welt-Handels-System. Und auf diesem Wege werden Patente gekauft aber auch gestohlen, Wahlen beeinflusst oder sabotiert (Cambridge Analytica), werden globale Internet-Firmen aufgebaut (Google, Face-Book, Amazon, Alibaba), die sich oft der staatlichen Kontrolle entziehen. Sie verändern unsere Lebenswelt durch die Macht ihres Wissens.

In der Folge dieser Innovationswelle erfahren wir heute die Macht des menschlichen Geistes als die Nutzung von Information in einer direkten Form. Im Programm steckt nun die erste Produktivität. Sie wird in der Ausführung – im zweiten Schritt – an den Dingen sichtbar. Aber die „Dinge“ werden immer kleiner und ihr „Informationsgehalt“ immer größer (Beispiel iPhone). In der Umkehrung dieser Reihung sind die Produzenten und Arbeiter der neuen Zivilisation die „kybernetischen Techniker“. Neu an der Lage in der Dritten Moderne sind nicht die Basis-Erfindungen. Basis-Innovationen standen in jeder vorherigen Moderne auch immer am Anfang. Neu ist die Geschwindigkeit in der Einführung der neuen Innovation. Und neu ist die Umgruppierung der Beschäftigten. Die kybernetischen Techniker können den so entstanden Vorrang ihres Tuns eigentlich nicht mehr verleugnen. Sie nehmen auch zahlenmäßig in der Produktion ständig zu. Aber vor den Folgen der erfinderischen geistigen Transformation möchten zumindest Teile dieses neuen Mittelstandes fliehen. Warum?

Weil sie als digitale und kybernetische Techniker direkte Mit-Verursacher ihres Opferganges (z. B. Burn-out) sind.

Auch wenn sie weder Täter noch Opfer sein wollen, so wissen sie doch sehr gut, wo und wie sie mit ihrer geistigen Leistung am System mitarbeiten. So entspringt der Wunsch nicht Opfer zu sein keinem irrationalen Flucht-Gedanken. Die programmierende Tochter weiß auf der rationalen Ebene ganz genau, „dass ihre eigenen Programme sie ersetzen“ können. Mit diesem Widerspruch sitzt sie nun in der Falle. Die Falle ist selbstgebaut und doch nicht. Auf alle Fälle hat sie zwei Gesichter. Das macht es für die Betroffenen so kompliziert, ihre Mittäterschaft zu verstehen. Noch schwieriger ist es, ihr zu entgehen. Das ist auf direkten Weg des Weggehens in die Südsee, auf die Jacht oder in den Sabbatical-Urlaub nur für kurze Zeit möglich.

Denn die kybernetische Moderne besteht – wie ihre Vorgängerinnen auch – aus zwei Welten: Aus unserer Lebenswelt und aus unserer Arbeitswelt. Beide gibt es nicht ohne einander. In der Lebenswelt möchten wir frei sein und auf eine gute Zukunft blicken. In derselben Blickrichtung sehen wir uns jedoch als Opfer der eignen Taten in unserer Arbeitswelt. Dort sind wir unfrei. Denn der so empfundene Opfergang wird durch ein System organisiert, das sich an der Kapitalverwertung in einer globalen Arbeitswelt orientiert. In ihr arbeiten wir als Täter am System der eigenen Unfreiheit mit. Obgleich es ein System der organisierten Unfreiheit ist, stellt uns doch dieses System wieder eine ungeheure Konsumwelt zur Verfügung. Das sind die zwei Seiten dieses technischen und ökonomischen Systems. In der Produktion der nützlichen Dinge ( utilities) erarbeiten wir gleichzeitig sowohl die Mittel und das System unserer zivilisatorischen und kulturellen Freiheit, als auch die unheimlichen Fesseln dieser Zivilisation. Das ist die Dialektik von Zivilisation und Kultur. [8] Auch wenn viel diese Dialektik nicht kennen, so empfinden und erfahren sie doch ihre Auswirkungen.

2. Das nihilistische Fluchtbewusstsein

Die Täter-Opfer-Stelle erscheint den Bürgern als Circulus vitiosus! In ihm wird der Vorteil zum Nachteil, der Erfolg zum Misserfolg. Die tiefer liegenden Gründe der Verkehrung des Erfolges in den Misserfolg liegt in einem Grundphänomen des menschlichen Handelns. Zu Beginn jeder bisherigen Moderne ist zu beobachten, dass wir zivilisatorische Erfindungen machen, über deren kulturelle Folgen wir uns keine Gedanken machen. Der Satz: „Denn sie wissen nicht, was sie tun!“, er müsste lauten: „Sie tun zivilisatorisch etwas, von dem sie kulturell nicht wissen, wohin es sie führt.“ Das ist Grund und Ursache des großen Missverstehens. Die Bürger insgesamt verstehen ihre doppelte Lebenswelt nicht. Tatsächlich war die Menschheit immer blind für diesen Zusammenhang. Man hoffte irgendwie, dass ein rettender Gott Einsicht habe und Lenkung gebe für das, was doch die Menschen immer selbst angestellt haben. Goethes Faust hofft auf Mephistopheles. Er erkennt jedoch nicht, dass es sein eigener innerer Mephistopheles ist, der ihn durch eigene Hybris steuert. Die müsste er lenken. Die Selbststeuerung nimmt ihm niemand ab. Heute verstehen der neue Mittelstand – und seine Digitalarbeiter – nicht, welche kybernetische Welt sie erzeugen. Nur wenn sie die Folgen ihres zivilisatorischen Handelns für ihre kulturelle Lebenswelt verstehen lernen, nur dann werden sie den eigenen Absturz verhindern.

Der neue Mittelstand muss verstehen wollen, was er tut, sonst kann er nie machen, was er machen sollte. Der Wille zum Machen setzt ein Verstehen des eigenen Geschickes voraus. Das heißt: Man wird nur dann zum Herrn seines Schicksals, wenn man eigene politisch-kulturelle Zukunfts-lösungen erfindet. Die dritte Moderne braucht eine neue Werte- und Gemeinschaftsordnung. Die aber geht nicht automatisch aus der Erfindung einer kybernetisch-technischen Zivilisation hervor. So müssen wir die Art und Weise untersuchen, wie bei den kybernetischen Arbeitern der Arbeitserfolg in die Furcht vor dem Erfolg ihrer Arbeit umschlägt.

Die Wendestelle findet sich im Nutzengedanken. Er ist der Kreuzungspunkt. In ihm findet die positive Transformation ins Soziale statt. Es entsteht Wohlstand und Sicherheit. Hier findet aber auch ihr negativer Rückschlag in die Unsicherheit durch Arbeitsplatzverlust statt. Denn auf geradezu paradoxe Weise schlägt der Erfolg unserer Arbeit – unser Nutzen-Streben – durch die angestrebte Nutzen-Leistung immer wieder ins gerade Gegenteil um. Fragen wir nach dem Kern des Nutzendenkens? Wir wünschen durch immer weniger Arbeit uns einen immer größeren Nutzen zu erarbeiten. Das ist der Effizienzgedanke. Er ist aber auch das Herzstück jeder Rationalisierung!

Die Technik-Geschichte lehrt uns: Jede Verbesserung der Arbeitsmethoden und einzelner Arbeitsschritte machen Arbeiter und oft auch ganze Berufe überflüssig. Der Wunsch nach dem besseren Nutzen der Arbeit führte so zwangsläufig zur Verringerung des Arbeitseinsatzes und der Arbeitszeit. So hat in der Industriegesellschaft der Erfolg der Automatisierung auf der positiven Seite einen „Zeitwohlstand erzeugt, den wir auf der negativen Seite als Arbeitslosigkeit kennen. Hier schlägt die positive ökonomische Entwicklung in die negativen kulturellen Folgen um. Denn im Hinblick auf das gute Leben ist die Arbeitslosigkeit ein gesellschaftlicher Misserfolg. Denselben Prozess vermutet die Mutter der Informatikerin. Außerdem sieht sie und wir alle, eine noch nie dagewesene Geschwindigkeit in den Umwälzungen der Arbeits- und Lebens-Welt. Der technische Erfolg kann auch die kybernetischen und digitalen Techniker arbeitslos machen. Denn auch sie arbeiten an Programmen und Rationalisierungsvorgängen, die in ihrem Nutzenstreben sie selbst und ihre Arbeitsleistung überflüssig machen.

Ist das nicht ein Irrweg, wie die Mutter meint? Führt das nicht dahin, dass unsere Kinder den Wohlstand nie halten können, den wir jetzt haben?

Diese Frage zeigt zu Recht auf das Unheimliche und das absurd-Zerstörerische in der Anwendung der neuen Technik. Doch sind die gesellschaftlichen Verhältnisse, die sie hervor-bringt, für uns tatsächlich schicksalhaft und unabwendbar? Sind es nicht seit jeher die politischen Konstruktionen gewesen, durch die die Anwendung der neuen Technik erst zum Schicksal wurde? Was ist nun die unheimliche Falle der neuen zivilisatorischen Verhältnisse? In der Dritten Moderne wollen wir – wie in den früheren Modernen auch – mit Hilfe der Technik im Wohlstand gut und immer besser leben. Gleichzeitig sind uns die Erfolge dieser Erfolgsgesellschaft unheimlich. Unabwendbar wie ein Schicksal ist die Kehrtwendung in den Misserfolg aber nur deshalb, weil wir den Wohlstands-Erfolg wie ein Schicksal sehen. So entsteht ein Dilemma: Einerseits können und wollen wir ohne die Annehmlichkeiten unserer Lebenswelt nicht mehr leben. Andererseits aber fürchten und erahnen wir gleichzeitig, dass wir als Gefangene dieses Dilemmas den Folgen nicht entgehen werden. Das neue Gefangenen-Dilemma ist das Wohlstands-Paradoxon:

Wir erzeugen einen Erfolg, vor dessen Folgen sich die Erfolgreichen selbst fürchten! Sie fürchten, sich durch ihren Erfolg selbst überflüssig zu machen, um am Ende durch ihre Arbeit arbeitslos zu werden.

Die neue Wohlstands-Realität erzeugt auf der Innenseite – also in der Seele der Bürger – ein nihilistisches Furchtbewusstsein. Von ihm sind nicht nur die technischen Akteure unserer Gesellschaft befallen. Eine unheimliche, aber unklare Krisen-Wahrnehmung geht bei uns allen wie ein ungebetener Gast um. So ist auch zu vermuten, dass der Misserfolg durch den Erfolg einen wesentlichen Teil unserer gegenwärtigen Krisenstimmung verursacht. Denn aus den zivilisatorischen Verhältnissen unserer Lebenswelten weht uns der Hauch der Zerstörung entgegen. Plastik ist ein wunderbarer Werkstoff, als Mikroplastik im Fisch aber kein Lebensmittel! Solche Resultate stehen im Widerspruch zu unseren berechtigten Zukunftswünschen. Sie werfen keine abstrakten Fragen auf, sondern begegnen uns als ganz praktische Widersprüche. Und mit den gesellschaftlichen Erfolgen treten sie in unser Tagesbewusstsein. Wir spüren jeden Tag in den neuen Arbeits- und Lebensverhältnissen, dass wir technische Produktionsverhältnisse erzeugen, die eine Lebenswelt zur Folge haben, in der wir eigentlich nicht leben wollen. Wir wissen aber auch, dass wir mit der globalen Produktion in einer Welt feststecken, aus der wir uns weder befreien können noch befreien wollen. Denn es ist eine erfolgreiche Welt. Eine reiche Welt. Eine Welt, die mehr erreichen könnte, als sie es tut. Eine Welt, die in arm und reich geteilt ist. Auch wenn diese Schere bei uns nicht so groß ist, wie in der Dritten Welt.

In dieser Wohlstands-Realität entsteht das Bewusstsein einer unheimlichen Abhängigkeit. Und gleich daneben ein politisches Unbehagen. Im Hinter-Bewusstsein der Bürger rumort außerdem noch die alte Moral. „Man sollte doch … helfen! Man müsste schon mit denen da draußen zusammenarbeiten! Sitzt man mit ihnen nicht im selben Welt-Boot?“

Aber das ist die moralische Seite. Unser öffentlich zur Schau gestelltes Moral-Bewusstsein.

Daneben oder dahinter arbeitet in uns ein nichtöffentlicher „Mechanismus“: Die eigene Selbstbetroffenheit. Nennen wir es ein Voraus-Bewusstsein. Es wirkt über das öffentliche Moral-Bewusstseins hinaus. Es fragt in die Zukunft hinein. In alter Zeit nannte man dieses Bewusstsein auch transzendentales Denken. Das war ein grenzüberschreitendes Denken. Ein Denken jenseits der Gegenwart und über sie hinaus in den Himmel und die Hölle hinein. Es erzeugte zuerst das Reich der Magie und der Orakel. Man glaubte damals die Zukunft vorhersagen und kaufen zu können. Im Ablasshandel versprach die katholische Kirche, man könne durch Spenden die Seele in die gute himmlische Bahn lenken.

Diesen metaphysischen Verdrängungs-Luxus können wir unserer Seele heute nicht mehr gönnen. Warum? Weil wir wissen, dass wir selbst sowohl die Ursache als auch die Bewirker unserer Zukünfte sind. Und so fragen wir im technischen Zeitalter Statistiker und Meinungsforscher, wie denn die Zukunft wird. Und die sagen: Die Zukunft wird so wie „die Herde läuft, wie der Konsument konsumiert, wie die Technik die Welt verändert.“

Aber das System der technischen Zukunftsvorhersagen funktioniert auch nicht. Da kommt ein Trump daher und wird – gegen alle Prognosen – Präsident. Da bricht der Irrationalismus in den internationalen Beziehungen aus. Brexit, Putin, Erdoğan. Und die Chinesen kaufen sich in Afrika ein. Sie verändern dort die Lebensumstände eines ganzen Kontinents, ohne zu fragen, ob die Afrikaner einen chinesisch bestimmten Lebenswandel wollen. Und bei uns? Hier wirft die Digitalisierung sowieso alle Lebensplanungen durcheinander. Fünf Berufe und damit Wechsel in einem Berufsleben. Ist das noch eine stabile Lebenswelt? Im Voraus-Bewusstsein macht sich mithin der sorgende Blick in die Zukunft breit. Vorahnungen geistern durch unser Leben. „Sie werden absteigen und die Opfer ihres eigenen Erfolges.“

Bleiben wir bei der Arbeits- und Lebens-Welt. Die Vorahnungen in uns sind unabweisbar, denn sie betreffen eine Lebenslage die der eigenen Arbeit entspringt. Die aber wendet sich nun im digitalen Zeitalter gegen ihre Meister und Schöpfer. Man ahnt oder fürchtet doch, dass man für einen Zustand arbeiten, der den Schöpfer als Menschen – möglicherweise – überflüssig macht. Dafür kann sich eigentlich niemand begeistern. Das widerspricht allen seelischen Regeln. In uns wirkt ein sorgendes Bewusstsein. Es ist die innere Messgröße für ein gutes Leben und für das existenzielle Glück. Jeder hat diesen Maßstab. Er misst und vermisst damit ständig seine und unsere zukünftigen Perspektiven. Der eine tut dies bewusst, der andere unbewusst. Insofern ist die Aussage der Mutter über das selbstgeschaffene Schicksal ihrer Tochter nicht nur vor-sorgend. Es ist vor allem verantwortlich. Hinsichtlich der kommenden Lebenswelt möchte sie für sich und ihr Kind keine negativen Ereignisse erleben. Die unvermeidliche Rückkoppelung des Handels auf die nächste Gegenwart soll die Zukunft ihres Kindes nicht zerstören. In der Vor-Sorge um eine gute Zukunft will niemand freiwillig den Zustand des Unglücks. Also will eigentlich niemand für sich den Weg eines selbstzerstörerischen Erfolges einschlagen. [9]

3. Wohlstands-Pessimisten und die Digital-Orientierung in der Informationsgesellschaft

Was wird verborgen? Wovor wird geflüchtet? Was ist die digitale Welt und der Menschen in ihr? Er will nicht selbständig sein, sollte aber eigensinnig werden! Das ist der absurde Widerspruch unserer Zeit. Aus ihm blickt uns eine Leere entgegen. Es ist die Leere eines Bewusstseinszustandes, den wir den digitalen Nihilismus nennen. Man glaubt nicht mehr an ein Wertesystem, weil man die Werte dieses Systems durch die eigene Arbeit entwertet und zerstört sieht.

In unserer Zeit sollten die Bürger erkennen, dass schon der Erfolgsmensch in seiner Marketing-Orientierung ein Kunstwesen war. Er hat sich in einer inneren Buchhaltung einer Kosten-Nutzen-Rechnung unterworfen. In ihr hat er die Freiheit nicht zu werden, was er hätte sein können, mit der Unfreiheit verrechnet, was es kostet zu bleiben, wie er war. Nur um nicht werden zu müssen, was ihm die Sorge für seine Zukunft ins Aufgabenbuch seines Lebens geschrieben hat. Den Beweis für diese These liefert die Unterwürfigkeit der Bürger selbst. Ihr Willen zur Unterwerfung ist die sorgende Un-Vernunft. Diese Einsicht Nietzsches dürfen wir nicht geringschätzen. Wir können sie nützlich wenden und mit ihr dem Wohlstands-Pessimisten den Spiegel vorhalten. Er verrechnet sein Leben auf der Basis des Fluchtwunsches vor dem Erfolg. Er unterwirft sich der Flucht aus der Selbstverantwortung. Um dieses verantwortungslosen Erfolges willen baut er subjektiv an einem System mit, das am Ende für ihn objektiv ein zerstörerisches Scheinsystem wird. Die Erfolgs-Moral der Arbeitswelt war und ist eine Verkaufsmoral des Selbst. Und umgekehrt. Die Selbstvermarkter formulieren für sich ein Marktbewusstsein: Weil alle es so machen! Weil ich sonst abgehängt werden, wenn ich da nicht mit-mache. Deshalb will ich mit-machen! Der Wille zum Mit-machen versteht sich in dieser Kosten-Nutzen-Rechnung keineswegs als Wille zur Ohn-Macht, sondern als Wille-zur-bestehenden-Macht. Trotzdem ist er nun die bewusste Entscheidung zum Falschen. [10]

So bewusst falsch agierten die Banker in der Finanzkrise 2008. Obwohl die Akteure – Kunden und Berater – oft wussten, dass das falsch ist, diese wertlose Anleihe zu kaufen, machten sie das Falsch-Spielen doch mit. Gerade bei den Junk-Bonds in der Immobilienkrise sah eigentlich jeder die Schein- und Betrugsgeschäfte. Man wollte aber nicht erfolglos sein und machte bei der „Übervorteilung“ der anderen mit. Immer mit dem Blick, schneller als sie aus den Junk-Bonds auszusteigen und die anderen „Übervorteiler“ selbst erfolgreich übers „Ohr zu hauen“. [11] Das waren in der Finanzwelt die Motive der Schlauen. Sie hielten sich für gerissen und betrieben doch nur das Geschäft der Unvernunft. In der Arbeitswelt wirken dieselben geistigen Muster. Auch dort gründet auf sie die sorgende Un-Vernunft. Man nimmt Teil an unvernünftigen Entscheidungen. Immer in der bewussten Absicht, mit-zu-lügen, mit-zu-täuschen, weil es „doch alle so machen!“ Die Entscheidung für die bewusste Unwahrheit ist eine Form des Nihilismus. Sie zerstört hinterrücks die Basis der Wahrhaftigkeit als tragenden Wert. Denn selbst braucht man sie, weil man ja selbst nicht betrogen werden will.

Heute müssten wir von einer Digital-Orientierung sagen: „Ich bin so, wie die digitalen Programme mich wünschen!“ Die sorgende Unvernunft ist bis zum Kauf und Verkauf des Denkens selbst vorgestoßen. Wurde in der Zeit der „Marketing-Orientierung“ (Erich Fromm) eine Haltung verkauft, so wird heute „Humankapital“ gekauft und verkauft. [12] André Gorz nennt es „kognitives Kapital“. Der „Wissenskapitalismus“ ist – von den USA über Europa bis China – an die normalen Regeln der Kapitalverwertung gebunden. Es gibt kein Kapital, das sich nicht durch den Einsatz kostensparender Technologien im Hinblick auf die Steigerung – oder den Ersatz der Arbeitskraft – besser verwerten will und bisher durchgesetzt. Die „Springquellen allen Reichtums“ werden dabei sowohl ausgenutzt, untergraben, wie auch gesteigert. Zu ihnen zählt aber schon immer, nicht nur „die Erde und der Arbeiter“ [13] sondern auch der Geist und seine Erfindungen, die als Werte (Patente) gehandelt wurden. Heute eben das Denken selbst. Es wird gekauft als Informationen und als Kauf von menschlichem Wissen, dass an den Produzenten des Wissens selbst hängt. Sie verkaufen sich und ihr Wissen.

4. Der Wissenskapitalismus

In der Geschichte der Menschheit wurde Wissen immer zur Steigerung der Produktion verwendet. Der Ackerbauer hat sein Wissen auf dem Feld eingesetzt und war mit dem Wissen um Pflug und Fruchtwechsel an Grund & Boden gebunden. So auch beim Handwerker und Facharbeiter. Ihr Wissen und ihre Fähigkeiten waren in den Arbeitsprozess eingewoben und vom Arbeitenden nicht zu trennen. Immer war dieses Wissen durch das innere Kosten-Nutzen-Denken einer rationalen Vernunft ausgesetzt. Diese rationalisierte die Arbeitsabläufe. So beschleunigten technische Verbesserung und Rationalisierung die Webindustrie und ersetzt die Arbeit der Hand-Weber. Auch damals waren die Arbeiter und die Ingenieure im Verwertungsprozess gezwungen, ihr Wissen an Maschinen zu übergeben, um effektiver zu arbeiten. [14]

Der Begriff der Routine wird hier zum Schlüssel für das Verständnis des Prozesses der Rationalisierung. Das Wissen wird in den Arbeitsablauf übertragen. Es führt dort zu einer anderen Maschinerie und zu anderen Arbeitsabläufen. Zeitersparnis der Arbeit und Produktionssteigerung (Output-Input-Regeln[15]). Heute beobachten die Wissensarbeiter in der „digitalen Industrie“ wie sie zum Geist einer Maschinerie werden. Dass als der Raum (in der Landwirtschaft der Acker), hier ihr ganzer Leib und ihre physische und psychische Kraft und ihr Kopf (in der Industrie das Büro und die Maschinenhalle) zum Ort der Wissens-Produktion geworden ist. Es sind die Grenzen in der Zeit, die sich hier verschieben und die Räume, die sich unmittelbar zur Welt hin geöffnet haben. Die digitalen Arbeiter – der neuen Mittelklasse – sind in der Verarbeitung von Informationen zu Programmen und zu nützlichen Algorithmen immer an der Schnittstelle, wo ihr Wissen direkt in die Produktionsmaschine (Computer oder Netzwerk) übergeben wird. Hier nun tauchen die Begriffe Wachstum und Produktivität in unserem Bewusstsein auf.

Zeit und Raum sind im digitalen Zeitalter zwar immer noch getrennt. Durch Wachstum und Produktivität sind aber zwei Entwicklungsfelder aufs engste miteinander verwoben. Informationen, wie die Programme sind nicht nur weltweit verfügbar, wenn sie ins Internet kommen. Dort sind sie in „Echtzeit“ und „global anwendbar“. Das hat die Produktionszyklen verändert. Waren die Produktionsschritte bei den Industriewaren noch an die mechanische Abnutzung und an eingebaute Sollbruchstellen gebunden, so hat sich gerade das radikal geändert. Die Garantiezeit von fünf Jahren und ihre Kopplung an die Reparaturanfälligkeit ist nicht mehr maßgeblich. Ganz umgekehrt sorgt die Verdoppelung der Leistungen bei neuen Computerchips alle 18 – 20 Monate (Mooresches Gesetz[16]) für einen immer größeren Innovationssprung. „Die Leistungssteigerung wird für höheren Anwendungskomfort oder schneller Systeme genutzt.“ [17] Es ist nun paradoxerweise gerade der Anwendungskomfort, der zu einer Beschleunigung der Leist-ungen der digitalen Produkte führt. Und der beschleunigt wieder die schnellere Veralterung der digitalen Maschinen. Der Produktionszyklus wird also nicht durch die Abnutzung und den Verschließ bestimmt. Er wird bestimmt durch die Überholung des digitalen Werkzeuges durch bessere und breiter aufgestellte Soft- und Hardware.

Im 3. Entwicklungs-Feld ist das Arbeitsfeld der „Wissensberufe“ selbst. Dort führt die Beschleunigung der Wissensprodukte zur größten Veränderung. Denn hier haben die wissensbasierten Expertensysteme der sogenannten „Künstlichen Intelligenz“ Einzug gehalten. Die Frage, ob selbst-lernende-Maschinen (Deep-Learning-Verfahren) wie Menschen denken und entscheiden können wir als eine zweite Frage hier ausklammern. Denn die algorithmisierten Verfahren der „Künstlichen Intelligenz“ beanspruchen heute nur, dem Menschen die Denk-Routinen abzunehmen. Die Vorstandsvorsitzende von IBM Ginni Rometty erklärt das so:

„Was einige Leute Künstliche Intelligenz nenne, ist in Wirklichkeit eine Technologie, die unsere Fähigkeit stärkt. Eigentlich geht es nicht um Künstliche Intelligenz, sondern um die Erhöhung unserer Intelligenz.“ [18]

Aber damit sind die Fragen nach den Gründen und Folgen des Einsatzes dieser Technologie für die Wissensarbeiter nicht geklärt. Sie lautet: Was spart der Wissenskapitalismus, wenn er die Routinen der Wissensberufe – Ingenieure, Ärzte, Juristen, Berater allgemein – durch wissensbasierte Programme und Maschinen verbessert oder ersetzt? Wissen in der menschlichen Gesellschaft ist eigentlich eine „ausgiebig vorhandene Ressource“. [19] Betrachten wir jetzt den Wandel: Wissen wird nur unter zwei Bedingungen wertvoll. Einmal, wenn man es in die Produktion umsetzen kann und es dort eine Ware wird. Vor Ort ein Programm zur Entlastung und Steuerung von Produktion. Überregional ein Instrument, das den Zugang zu weltweiter Information vermittelt. Zum anderen wird Wissen zur begehrten handelbaren Ware. Alle wollen den Nutzen der digitalen Maschinerie haben. Dieses Haben-wollen erzeugt eine Situation der Abhängigkeit. Sie kann man ausnutzen durch die Reduktion des Zugangs zu diesem Nutzen. Eine Verknappung entsteht in der Folge der technologischen Führerschaft. Wenn nur wenige Anbieter aus technischen Gründen übrig bleiben (Microsoft, Intel etc.), oder nur ein Anbieter diese Spitzen-Leistung anbietet (iPhone). Die Fülle des Nutzens und die Knappheit des Angebots sind also die Schlüssel zum Verständnis der nächsten Entwicklungen in diesem Arbeitsbereich.

5. Die kreative Zerstörung und die „unsichtbare Hand“ der Arbeit

Die Fülle des Nutzens kann heute jeder sehen und regelrecht begreifen, wenn er ein iPhone von Apple in Händen hält. Manager wie Ordensschwester nutzen es. Das ist die egalitäre oder gleichmachende Seite der „kybernetischen Revolution“. [20] Doch alle sind wir auch Abhängige. Schritt für Schritt hat die Digitalisierung unser Leben in den letzten 35 Jahren durchdrungen. Zu Beginn dieser Revolution hörte man aus der Internetgemeinde die Frohe Botschaft des freien und demokratischen Netzes. Aus Silicon Valley drang der Ruf von einer „Revolution des Geistes“ in die Welt. Man glaubte, dass „der technologische Fortschritt ihre liberalen Prinzipien unweigerlich zu einer gesellschaftlichen Tatsache machen würde“.[21] Von einer „elektronischen Agora“ war die Rede. Durch die Computer- und Telekommunikations-Technologie schien eine neue Freiheit der Kommunikation zu entstehen. Auf ihr sollte jeder seine Meinungen ohne Angst vor Zensur äußern können. Durch die digitalen Technologien würde – in der Folge dieser Revolution der Freiheit – die Macht der großen Unternehmen und Regierungen gebrochen. Und es würden im Gegenzug die persönlichen Freiheiten der Individuen gestärkt werden.

Das ist bekanntlich anders gekommen. Die Fülle wurde in Knappheit verwandelt. [22] Die Rechner wurden immer leistungsstärker und billiger. Ihre Programme immer ausgefeilter. Durch die algorithmische Erfassung und Auswertung von Routinen des Menschen wurden sie immer umfassender einsetzbar. Auf dieser Basis sind Monopole (Internet) und Fast-Monopole (Microsoft, Google, Apple, Amazon, etc.) entstanden. Die Gewinne dieser Firmen sind so legendär wie die Art und Weise, wie es ihnen weltweit gelingt, sich einer gerechten Versteuerung zu entziehen. Doch die Knappheit betrifft nicht die Menge an Informationen, die durch die Netze fluten. Sie betrifft die Verknappung des Zugangs durch die Abhängigkeit von Computerprogrammen und Software der Internet-Riesen.

Die Programme selbst werden immer komplizierter. Überblick hat nur noch eine kleine Gemeinde von Computer-Nerds. Hier nun taucht eine Zweiteilung der Beschäftigten auf. Hochbezahlte Spezialisten und ein Heer von weniger gut entlohnten Anwendern. Die können sich heute schon die Wohnpreise in Silicon Valley nicht mehr leisten. Diese Entwicklung geht einher mit dem eingangs aufgeworfenen Problem: Die Entwertung der Arbeitskraft der Programmierer durch den Erfolg ihrer Programme, die sie überflüssig machen. Diese Entwicklung wird für den Bereich der digitalen Wissensarbeiter wahrscheinlich in nächster Zeit noch zu keiner Arbeitslosigkeit führen. Vorausgesetzt, die digitalen Arbeiter bilden sich weiter. Vorausgesetzt, ihre Arbeitgeber kaufen die neuesten Programme und Rechner, und sie arbeiten an der neuesten Technologie. Und, nicht zu vergessen: Sie sind dann noch gesundheitlich in der Lage (Burn-out-Problem), den Stress dieses Business zu ertragen.

Für die anderen Wissensberufe bedeutet die kybernetische Revolution jedoch eine radikale Transformation ihrer Berufswelt. Durch die „Wandlung“ ihres Wissens in den kybernetischen Informations-Maschinen und ihre „Verwandlung“ in Expertensysteme werden diejenigen Arbeitskräfte und Arbeitsplätze wegfallen, deren Routinen und Wissen sich automatisieren lässt. Typischer Fall: die Schreibbüros in den Verwaltungen sind verschwunden. Den „Sätzer“ (TAZ) im Verlag gibt es nicht mehr. Sie alle haben in der Vergangenheit umgeschult oder sind frühverrentet worden. So wurde Massenarbeitslosigkeit vermieden. Für die verbliebenen Wissensarbeiter entsteht aber ein neuer produktiver Zwang, durch die unsichtbare Veränderung auf dem Wissensmarkt. Bis jetzt wird diese Frage umformuliert und so in den Verantwortungsbereich der Wissensarbeiter verschoben. Und sie lautet dann wie folgt:

„In fast allen Wissensberufen, bei denen Entscheidungen automatisiert werden, lässt sich die Frage nach der Massenarbeitslosigkeit von Wissensarbeitern auch umformulieren: Wie stellen Verkäufer, Anwälte und Ärzte sicher, dass sie mithilfe von KI mehr Menschen mit besserer Beratungsleistung helfen können?“ [23]

Aber damit ist die Frage der Arbeitslosigkeit der Wissensarbeiter aus der neuen Mittelklasse nicht beantwortet. Nur verschoben. Sie wurde von Schumpeter für den Kapitalismus grundsätzlich wie folgt formuliert:

„Die Eröffnung neuer, fremder oder einheimischer Märkte und die organisatorische Entwicklung vom Handwerksbetrieb und der Fabrik zu solchen Konzernen wie dem U.S.-Steel illustrieren den gleichen Prozess einer industriellen Mutation – wenn ich diesen biologischen Ausdruck verwenden darf –, der unaufhörlich die Wirtschaftsstruktur von innen heraus revolutioniert, unaufhörlich die alte Struktur zerstört und unaufhörlich eine neue schafft. (…) Dieser Prozess der „schöpferischen Zerstörung“ ist das für den Kapitalismus wesentliche Faktum. Darin besteht der Kapitalismus und darin muss auch jedes kapitalistische Gebilde leben.“ [24]

Einerseits wissen die Bürger um diese Mechanismen. Und sie vermuten und erwarten, dass diese neue Technologie, in den Händen des Kapitals, ähnliche Auswirkungen haben wird. Nach der Logik der Kapitalverwertung kann das – wie Schumpeter sagt – auch nicht anders sein.

„Die erste industrielle Revolution fußte auf der Gewinnung von Energie aus Wasserkraft und Dampf; die zweite auf ihrer Elektrifizierung. Die gegenwärtige Revolution ersetzt Energie durch den Begriff der Information – jener Paradigmenwechsel, der von der Kybernetik eingeläutet worden war. Sie markiert damit den Beginn der jüngsten Revolution (…). Wie Energie scheint auch Information eine Erhaltungsgröße der Physik zu sein, kann also nicht erzeugt, sondern nur gewandelt werden. Wie Energie kann Information von Menschen verarbeitet werden, aber um sie im industriellen Maßstab zu verarbeiten, sind Computer und maschinelle Lernverfahren vonnöten. Die kybernetische Revolution kann ähnlich dramatische Auswirkungen auf das Leben und Arbeiten der Menschen haben wie die beiden vorangegangenen.“[25]

Die Erfahrungen aus der ersten industriellen Revolution spielen im Hintergrund der Debatten um die Digitalisierung eine wesentliche Rolle. Aus ihr speist sich ein Teil der Zukunftsfurcht und das Misstrauen gegen den Erfolg der eigenen Arbeit.

Warum aber folgt daraus keine politische Konsequenz bei den Betroffenen? Wirkt hier wieder ein alter Mechanismus? Nämlich die untergründige Hoffnung aus den Anfängen des Kapitalismus und der Indienstnahme der Technik. Die Hoffnung auf die „unsichtbare Hand (invisible hand) des Marktes“.
Sie wirke ohne politische Eingriffe zum Wohle aller und bringe eine Ethik hervor, auch wenn das Kapital diese selbst gar nicht wolle. Adam Smith verstand sie als die Hinterlist der kapitalistischen Vernunft. Um es mit Goethe zu sagen, „die stets das Böse will und doch das Gute schafft“. [26]

„Jeder Einzelne wird sich darum bemühen, sein Kapital so anzulegen, dass er den höchsten Wert erzielen kann. Im Allgemeinen wird er weder darauf aus sein, das öffentliche Wohl zu fördern, noch wird er wissen, inwieweit er es fördert. Er interessiert sich lediglich für seine eigene Sicherheit und seinen eigenen Gewinn. Und dabei wird er von einer unsichtbaren Hand ( invisible hand) geleitet, ein Ziel zu fördern, das keineswegs in seiner Absicht gelegen hatte. Indem er seinen eigenen Interessen dient, fördert er das Wohl der Allgemeinheit oft auf weit wirksamere Weise, als wenn es in seiner wahren Absicht gelegen hätte, es zu fördern.“ [27]

Eben diese Hoffnung scheint auch heute ein Teil des Stillstands-Glaubens zu sein. Die Suche nach der Hinterlist der Vernunft war eine Illusion im Frühkapitalismus. Eine innere Vernunft der Ökonomie hat damals schon keine Ethik des Handelns erzeugt. Sie hat sich nicht gegen die Marktgesetze durchgesetzt. Und sie hat die „dramatischen Auswirkungen auf das Leben und Arbeiten der Menschen“ aus eigenem Interesse nicht abgemildert. Warum sollten sie das auch ohne Widerstand tun? An dieser Stelle sind die Bürger aus historischer Erfahrung misstrauisch geworden. Sie glauben nicht an den heiligen Automatismus einer kapitalistischen Ethik. Über einen langen Prozess haben wir im Westen die soziale Marktwirtschaft als „Ethik des ganzen Hauses“ entwickelt.[28] Diese Erfahrung – vergessen oder verdrängt – spielt immer noch eine Rolle. Es war anstrengend und kostete Lebenszeit, diese Gegenmacht aufzubauen. Betrachten wir den historischen Prozess, so sehen wir: Immer wieder tritt, aus derSorge um das zukünftige Leben, die Schattengestalt des sorglosen Lebens hervor. Sollen mir doch die Anderen die Sorge für mein Leben abnehmen! Diese Anderen sind die Entsorger der Sorge. Es sind die Machtübernehmer der vagabundierenden, herrenlos gewordenen demokratischen Macht. Ihre Slogans sind eingängig und ihre Verführungsküste vielgestaltig. Es sind heute der Berlusconismus und der Trumpismus! Sie sind zurzeit die erfolgreichsten Politikmodelle im Interesse des „fossilen und oligopolistischen Kapitals“. [29] Sowohl bei der Enteignung des Bürgerwillens als auch des Bürgereigentums. Kennt man die Interessen der Verführer und ihre Verführungskünste, so weiß man noch nicht viel über die Verführten. Warum lassen sie sich die Macht nehmen? Warum halten sie still? Warum politisieren sie sich nicht?

Ganz offensichtlich ist es der Epochenbruch von der Industriegesellschaft zur digitalen oder kybernetischen Gesellschaft, den wir alle noch nicht verstanden, geschweige denn verarbeitet haben. Hannah Arendt sagte dazu:

„Die Neuzeit hat im siebzehnten Jahrhundert damit begonnen, theoretisch die Arbeit zu verherrlichen, und sie hat zu Beginn unseres Jahrhunderts damit geendet, die Gesellschaft im Ganzen in eine Arbeitsgesellschaft zu verwandeln. Die Erfüllung des uralten Traumes trifft, wie in der Erfüllung von Märchenwünschen, auf eine Konstellation, in der der erträumte Segen sich als Fluch auswirkt. Denn es ist ja die Arbeitsgesellschaft, die von den Fesseln der Arbeit befreit werden soll, und diese Gesellschaft kennt nur noch vom Hörensagen die höheren und sinnvolleren Tätigkeiten, um derentwillen die Befreiung sich lohnen würde. (…) Was uns bevorsteht, ist die Aussicht auf eine Arbeitsgesellschaft, der die Arbeit ausgegangen ist, also die einzige Tätigkeit, auf die sie sich noch versteht. Was könnte verhängnisvoller sein?“ [30]

Nun ist uns die nicht „die Arbeit ausgegangen“! Es hat sich die Arbeit gewandelt! Der Wandel in der alten industriellen „Arbeit“ und ihre Zurückdrängung, haben die „Gesellschaft“ in zwei Lager geteilt. Mit diesem Wandel und in ihm ist eine neue kybernetische Gesellschaft im Entstehen. Ihr und ihren Akteuren, in allen politischen Lagern, ist der unterirdische Sinn dieses Wandels nicht klar. Vor allem aber haben sie keine Antwort, auf die Folgen des Wandels der Arbeit und die Übertragung einfacher Arbeits- und Denkroutinen, auf digital gesteuerte Maschinen.

Es ist zu vermuten, dass gerade dieser Wandel in der Arbeitswelt und die Unklarheiten über seine Folgen dazu geführt haben, dass die neue Mittelklasse wie gebannt auf ihr Tun starrt. Ist das auch der Grund, warum sich ihre Erfolge, in ihrem Bewusstsein, in Misserfolge verwandeln? Warum sie mit Misstrauen auf den Wandel und den Reichtum ihrer neuen, kybernetisierten Arbeit schauen? Denn sie wissen: Die Arbeit ist nicht ausgegangen! Die Arbeit hat sich gewandelt. Und es werden ihnen die Resultate ihrer Arbeit, die Gewinne ihrer täglichen Mitarbeit, durch eben diese Mitarbeit selbst genommen. Welche Ironie! Aber ganz sicher kein Schicksal! Vielmehr das eigene Unvermögen, den selbstverursachten Wandel, für sich positiv zu nutzen. Was aber sind die Gründe für das Verharren im Wandel? Was sind die ideologischen Ursachen für den Stillstand in diesem Epochenbruch?

Im Wandel des Charakters der Arbeit tauchen wieder die alten Hoffnungen und Illusionen auf. Man hofft auf eine innere Ethik des Kapitals. Und das verbindet man mit der noch älteren Hoffnung auf den unheimlichen und ungeheuren Wirkungscharakter der Technik. Man hofft auf einWunder und findet es in der „kalifornischen Ideologie“. In Kalifornien und davon ausgehend weltweit hat ja eine „kybernetische Revolution“ stattgefunden. Sie war ein Trauungsakt der neuen Technik, mit der alten Hoffnung auf ein Leben ohne Anstrengung. Die Roboter sind in diesem Techniktraum unsere neuen Sklaven. Auch das Denken wird uns von ihnen durch „selbstlernende Maschinen“ abgenommen. Wie bei Huxley zu lesen, träumten einige – und sie tun es bei Google noch immer – von einer „Schönen neuen Welt“ (Brave New World). Heute ist dieses Wunder der unheimliche Stoff, aus dem unsere Träume und Albträume sind.

Zumindest Teile der neuen Wissensarbeiter glauben das Unheimliche der Dritten Moderne verstanden zu haben, wenn wir sagen, die Maschinen arbeiten für uns, wie jetzt der Computer für uns denkt. Seit der Mensch bei sich die Erfindungskraft des technischen Denkens entdeckte, ist dieses Wunschdenken sein Generalfehler im Umgang mit seiner Technik. Denn in der Schattenseite des Entlastungswunsches wirkt der versteckte Wunsch, mit Hilfe des technischen Fortschritts, auch die Verantwortung für das zukünftige Leben los zu werden. Der Wunsch nach Verantwortungs-losigkeit beherbergt in sich die fatale Wende ins Unglück. Denn wer die Verantwortung für das eigene Tun verweigert, der will auch an die Unheimlichkeit dieser Technik nicht mehr denken. Das ist ein Fehler in unserer Selbstlenkung. Er baut auf die paradoxe menschliche Fähigkeit zur Erfindung von Illusionen, dem Stiefkind der Hoffnung. Die bisher größte Illusion war die Hoffnung auf eine Technik, die den Menschen durch ein vollkommenes Energiesystem entlastet. In der Vergangenheit wünschten sich die Menschen das Perpetuum mobile. Eine Maschine, die ihn soweit entlastet, dass er nicht mehr arbeiten müsste, weil sie Energie im Überfluss liefert. Aber was der Mensch schon damals ersehnte, das fürchtete er zugleich. Würde ihn diese Maschinerie am Ende nicht selbst überflüssig machen? Dieser Gedanke ist heute so aktuell wie damals. Denn wozu braucht man dann noch seine Arbeit, wenn die Maschinerie alles automatisch macht?

Tatsächlich sind Kapital und Technik in der kybernetischen Industrie eine neue Allianz eingegangen. Wieder taucht eine alte Hoffnung aus der Zeit des Frühkapitalismus auf. Nun hoffen die Wissensarbeiter auf die segensreiche und selbststeuernde Macht der digitalen Ökonomie. Adam Smith hat diese Hoffnung seinerzeit mit der Formel von der Wirkungsweise der „unsichtbaren Hand (invisible hand) des Marktes“ beschrieben. Das war auch damals eine Illusion. Denn im Verwertungsprozess des Kapitals sind keine ethischen Selbstbeschränkungen vorgesehen. Wie wir heute wissen, muss die gesellschaftliche Vernunft als ökonomischer und ethischer Rahmen durch die soziale Marktwirtschaft beigesteuert werden. Heute gibt es wieder dieselbe illusionäre Hoffnung. Die Vernunft wird nun in der „unsichtbaren Hand“ eines sich selbst regulierenden, computergesteuerten Marktes vermutet. Doch eine durch Computer und ihre Algorithmen gesteuerte Ethik gibt nicht. Eine neue soziale Idee ist nötig! Denn es zeichnet sich das Auseinanderbrechen unserer Gesellschaft in zwei Teile ab. Auf der einen Seite sehen wir einen computergesteuerten Markt-Liberalismus, auf der anderen Seite eine durch die eigene Wissensarbeit sich enteignende Bürgerschaft. Denn sie lebt allein vom Verkauf ihrer Wissensarbeit. Die neue Bruchlinie folgt den technischen und ökonomischen Bedingungen der dritten, der kybernetischen Moderne. Sie schreitet – wie alle vorherigen Modernen auch – unaufhaltsam voran. Weil wir diese Entwicklung nicht verhindern können – denn wir leben von und in ihr – müssen wir die Folgen steuern. Wenn nicht, werden wir den destruktiven Klassenkampf der zwei neuen Wissensklassen erleben. Konstruktiv wird dieser Konflikt nur, wenn es gelingt, die Folgen dieses neuen Klassenkampfes, der zwei neuen Wissensklassen, durch eine politische Bewegung zu steuern. Auf der Seite der Wissensarbeit kann dies eigentlich nur eine neue Gewerkschaftsbewegung im Geiste einer sich erneuernden Sozial-Demokratie sein. Sie muss, über die alte Industriearbeiterschaft hinaus, jetzt die Wissensarbeiter des neuen Mittelstandes organisieren. Dabei geht es um die Verteidigung des Wertes ihrer geistigen Arbeit und um die Erhaltung der Produktivität ihrer geistigen Ware Arbeitskraft.

Doch heute werden die alten Fehler – von den Gewerkschaften, wie den Wissensarbeitern – wieder gemacht. Wieder beherrschen dieselben Illusionen und die gleiche Furcht das Denken der Bürger. Die Wissensarbeiter der kybernetischen Moderne sehen im Computer eine Maschine, die dem Menschen vielleicht das Denken abnimmt. Seine schöpferische Arbeit! Eine Arbeit, die ihn frei macht, wenn er sie selbst beherrscht. Die ihn unfrei macht, wenn er die Macht über sie abgibt. Die Entfremdungsfrage hat damit eine neue Stufe erreicht. Für die Wissensarbeiter stellt sich die Frage nach der Selbstentfremdung neu: Ob nämlich die Entlastungen, unter den Bedingungen der kybernetischen Moderne, sie nicht selbst und ihre Denk-Arbeit überflüssig machen? Ob sie sich also nicht selbst durch ihre Arbeit enteignen? Denn Eigentum und Eigensinn fallen in der Wissensarbeit zusammen. Das ist das neue Phänomen. Der Satz:„Wissen ist Macht!“ (F. Bacon), lautet heute: „Wissen ist Eigensinn, also Eigentum an der Wissensmacht!“ Ob die Wissensarbeiter diese Veränderung in ihrer Welt verstehen und daraus Konsequenzen ziehen, das entscheidet darüber, ob sie sich selbst überflüssig machen oder nicht! Wie im Maschinenzeitalter dasPerpetuum mobile, so tragen im kybernetischen Zeitalter der selbstdenkende und entscheidende Computer und seine Programme eine fantastische, aber irreale Illusion in sich. Denn die Rechenmaschine wird uns zwar in den Denkroutinen entlasten, aber Entscheidungen müssen wir nach wie vor selbst treffen.

Die wesentliche Gefahr für unsere Zeit – das eigentlich Unheimliche und Zerstörerische – entspringt der alten Illusion: Was wir technisch wünschen, das fürchten wir sozial auch wieder. Denn der technische Entlastungswunsch führt ohne kulturelle Transformation geradewegs in die Verantwortungslosigkeit. Dieser zweifache Nihilismus entwertet und entlastet uns Menschen von der ständigen Aufgabe des Mensch-werdens. In der nihilistischen Geisteshaltung entsteht eine fatale Dynamik gegen das eigene Selbstvertrauen. Denn Menschen, die sich die Herrschaft über ihr Denken nicht mehr zutrauen und es Maschinen überlassen, entwerten sich selbst und ihre Denk-Arbeit. Das ist der Irrweg des neuen kybernetischen Zeitalters. Die illusionäre Entlastungs-Hoffnung entwertet und zerstört das verantwortungsvolle Denken. Hinter ihrem Rücken erzeugt der Stillstands-Mensch im Reduktionswunsch eine Sehnsucht nach einem Leben in einem System, ohne eigenes Handeln. Politisch gesehen ist das die Sehnsucht nach der Diktatur. Die Vorstufe dazu ist das Nicht-Handeln und Still-Stehen-Wollen. Sozial gesehen führt dieser Weg nur in die neue Dekadenz, den Wohlstands-Nihilismus, der an dieser Stelle in den Stillstands-Nihilismus übergeht. Das ist der Weg ins Asoziale. Für die Persönlichkeit der Bürger in der Dritten Moderne ist das Ergebnis dieses Entlastungswunsches der Weg in die Selbst-Entwertung.

Diese Gefahr der Selbst-Entwertung, wie die reale Hoffnung auf einen Nutzen für die Selbst-Entwicklung, steckt gleichermaßen in der neuen kybernetischen Technik. Ihren Reichtum und ihre Möglichkeiten können wir für uns alle nutzen, wenn wir ihre Methoden in unserer Arbeits- und Lebenswelt politisch wenden. Die Wende zum Positiven im Umgang mit dieser Technik besteht in der Hoffnung auf die Erfindung einer verantwortlichen Politik, einer Politik der eigenen Wertschätzung. Sie wird nie das Ergebnis eines – wie auch immer gearteten – Maschinendenkens sein. Das neue Selbstbewusstsein entsteht aus der Einsicht in die Not-wendigkeit einersorgenden Vernunft. Aus ihr wird eine neue demokratische Politik der Vor-Sorge hervorgehen, wenn wir dazu den Willen und das Tun entwickeln.

5. Dezember 2018

Dr. Xaver Brenner

Anmerkungen:

[1] Geschlossene Gesellschaft. Viele Informatiker kreisen um sich selbst. Das ist gefährlich. Künstliche Intelligenz braucht eine Ethik. Von Alexander von Gernier. Süddeutsche Zeitung, v. 13.11.2018

[2] Sophokles: Antigone. (Vers 334–335), übers. v. Wilhelm Willige. München: dtv, 1990, S. 134. Schadewaldt sagt, im Chorlied der Antigone sei das „Problem der heutigen Technik bereits vorweggenommen“. Schadewaldt, Wolfgang: Die griechische Tragödie. Tübinger Vorlesungen Band 4. Frankfurt am Main 1996, S. 268.

[3] Ernst Buschor übersetzt den ersten Satz in Sophokles: Antigone: „Viel Unheimliches (deinà) birgt die Welt, / Allerunheimlichstes ist der Mensch!“ (Vers 334–335). Tragödien, übers. v. Ernst Buschor, München (Artemis) 1979, S. 27.

[4] Maier, Friedrich: Der Westen im Aufbruch – antike Brücken nach Europa. Bad Driburg 2015, S. 48.

[5] „Wer seines Landes Satzung ehrt / und Götterrecht schwurgeweiht, / gilt im Staate; doch nichtig (`ápolis / stadtlos), wem das Unrecht sich / gesellt hat zu frevelhaftem tun.“ Sophokles: Antigone. (Vers 366-370), übers. v. Wilhelm Willige. München: dtv, 1990, S. 135.

[6] Schumpeter, Joseph: Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie. Stuttgart 2005, S. 157. Schumpeters positiv verstandene Dynamik des Kapitalismus und seiner „schöpferischen Zerstörung“. Er meint jene Fähigkeit zu Innovationen und zu technisch-wirtschaftlichen Fortschritten, die „… unaufhörlich die Wirtschaftsstruktur von innen heraus revolutioniert, unaufhörlich die alte Struktur zerstört und unaufhörlich eine neue schafft.“

[7] Bernhard Schölkopf hat daraus hingewiesen, dass der Begriff „digital“ eigentlich nicht passt. Denn tatsächlich verarbeitet ein analoger Computer Programm die auf „Regelungstechniken (Norbert Wiener) basieren. Der englische Ausdruck dafür ist cybernetics. Er geht auf den griechischen Ausdruck für Steuermann – kybernétes – zurück. Der Steuermann hat im Schiff die Leitung. Schölkopf, Bernhard: Die kybernetische Revolution. Künstliche Intelligenz wird Leben und Arbeiten so stark verändern wie einst die Elektrizität. Europa braucht die besten Köpfe. SZ v. 15.03.20018

[8] Siehe dazu: Horkheimer, Max / Adorno, Theodor W.: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente. Frankfurt am Main 1988, S. 36-37.

[9]  Sokrates sagt: „Niemand fehlt freiwillig!“ Platon: Protagoras (Schleiermacher), 345d. Brenner, Xaver: Zur Geburt von Kultur. Mit Sokrates gegen das platonische Paradigma. Bd. 1, Würzburg 2016, S. 28.

[10] Von Hegel stammt der zunächst kryptische Satz: „(…) ebenso ist das Falsche nicht mehr als Falsches ein Moment der Wahrheit.“ Hegel: Phänomenologie des Geistes. Bd. 3. Werkausgabe, Frankfurt a. Main, 1970, S. 41. Setzt man an die Stelle des idealistischen Begriffs der „Wahrheit“ den Ausdruck „Wirklichkeit“, dann sind wir schon in der Welt. Verstehen wir dann auch noch, dass jede Handlung eine Wirklichkeit erzeugt, dann können wir begreifen, dass das Falsch-Tun auch eine Fähigkeit ist, die Zustände erzeugt. Auch falsche, erlogen Zustände – das wissen wir spätestens sei Trumps-Lügen – sind wirksame Wirklichkeit. So wird der Satz für uns verständlich. Er lautete dann: (…) ebenso ist jedes Falsch-Tun, nicht mehr nur als das Erzeugen falscher Resultate, sondern gleichzeitig auch, ein Teil jener wirklichen Welt, die wir durch unsere falsche Wirksamkeit erzeugt haben.

[11] Besondere Aufmerksamkeit erfuhr in dieser Richtung der Betrugsfall Enron. Den Mitarbeitern wurde im „August 2000, als das Management von Enron schon die eigenen Aktienbestände verkaufte“ noch per hausinterner E-Mail mitgeteilt, dass jetzt der Kauf besond ers günstig sei. Das Spitzenmanagement verkaufte zu diesem Zeitpunkt seinen gesamten Aktienbestand. Von 90 US$ fiel dann der Kurs auf wenige Cent pro Aktie. Arthur Anderson, die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die das alles gedeckt hatte, wurde wegen Behinderung der Justiz 2002 zu 500.000 US$ verurteilt. (BBC-News http://news.bbc.co.uk/2/hi/business/2047122.stm) Die Rating-Agentur Standard & Poors bescheinigten bis kurz vor der Insolvenz eine „vorzügliche Bonität“. Der Freitag: Beim Glasauge des Propheten. 28.9.2007. Siehe dazu auch meinen Artikel: Utopie der Gerechtigkeit – Thesen zur Finanzkrise. Kommune. September 2008.

[12] Für die Betriebswirtschaftslehre sind das die „personengebundenen Wissensbestandteile in den Köpfen der Mitarbeiter“. Burkhard Jaeger: Humankapital und Unternehmenskultur. Wiesbaden 2014, S. 1.

[13] Marx, Karl: Das Kapital. 13. Kapitel. Maschinerie und große Industrie. MEW, Bd. 23, S. 529 ff.

[14] Herrmann, Ulrike: Der Sieg des Kapitals: Wie der Reichtum in die Welt kam: Die Geschichte von Wachstum, Geld und Krise , München 2014, S. 41.

[15] Eine formale Darstellung lautet für die Betriebswirtschaftslehre, dass das „Produkt“ (Output) ein materielles Gut oder eine (immaterielle) Dienstleistung ist. Immer als das Ergebnis eines Produktionsprozesses. In der Informatik wird unter „Ausgabe“ (Output) das Ergebnis eines Programms. Es erscheint nach interner Berechnung auf einem Ausgabegerät . Das kann ein Bildschirm , ein Drucker oder die Schnittstelle zu einem Datenspeicher (Datei ) sein.

[16] Real verdoppelt sich die Leistung neuer Computerchips im Mittel etwa alle 20 Monate. In den Medien ist bis heute meist von einer Verdoppelung der Integrationsdichte alle 18 Monate die Rede. Neuerdings wird allerdings auch hier von der wahrscheinlichen bei Annäherung an physikalische Grenzen gesprochen, „die aufgrund des quantenmechanischen Tunnelstroms  bei 2 bis 3 Nanometern liegen“. M. Mitchell Waldrop: The chips are down for Moore’s law. News Feature, Nature 530, Februar 2016. Das zeigt eine Wachstumsgrenze auf, die physikalisch gegeben ist. http://www.itwissen.info/definition/lexikon/Mooresches-Gesetz-Moores-law.htm

[17] Wissenschaftlicher Dienst des Deutschen Bundestages: Zur Diskussion um die Verkürzung von Produktlebenszyklen. S. 12. https://www.bundestag.de/blob/438002/42b9bf2ae2369fd4b8dd119d968a1380/wd-5-053-16-pdf-data.pdf

[18] Zitiert bei Ramge, Thomas: Menschen fragen, Maschinen antworten. Wie künstliche Intelligenz Wirtschaft, Arbeit und unser Leben verändert. S. 15-21. Künstliche Intelligenz. Aus Politik und Zeitgeschichte, 6-8-2018, 5. Februar 2018, S. 20.

[19] Gorz, Gorz André: Wissen, Wert und Kapital. Zur Kritik der Wissensökonomie, Zürich 2004, S. 65.

[20] Schölkopf, Bernhard: Die kybernetische Revolution. Künstliche Intelligenz wird Leben und Arbeiten so stark verändern wie einst die Elektrizität. Europa braucht die besten Köpfe. SZ v. 15.03.2018

[21] Herbert Marshall McLuhans Werk (1911-1980) und seine zentrale Botschaft war: Das Medium ist die Botschaft. Dadurch begründete er eine neue Medientheorie. Und für die kalifornische Ideologie wurde ein weiterer Begriff maßgeblich, der des „Globalen Dorfes“. Dort heißt es: „Anstatt zu einer großen Alexandrinischen Bibliothek zu werden ist die Welt zu einem Computer geworden, einem elektronischen Gehirn, (…)“. McLuhans: Die Gutenberg-Galaxis. Bonn u. a. 1995, S. 32.

[22] Ebenda, Gorz, André: Wissen, Wert und Kapital. S. 65.

[23] „Der Leitgedanke hier ist: augmented decision making (vermehrte Entscheidungshilfe) anstatt reiner Automaten.“ Ebenda, Ramge, Thomas: Menschen fragen, Maschinen antworten. S. 20.

[24] Ebenda S. 20.

[25] Schölkopf, Bernhard: Die kybernetische Revolution. SZ v. 15.03.2018, S. 2.

[26] In Goethes Bibliothek findet sich im Übrigen eben dieses Werk von A. Smith.

[27] Adam Smith: Der Reichtum der Nationen (1776). Zit. von Paul A. Samuelson: Volkswirtschaftslehre, Bd. 1, S. 56

[28] Negt, Oskar: Arbeit und menschliche Würde. III. Krise der Arbeitsgesellschaft. 1. Die Ökonomie des Ganzen Hauses. Göttingen 2001, S. 319.

[29] Siehe dazu meinen Essay. Brenner, Xaver: Die Weltinnenpolitik der Demokraten und Antidemokraten. S. 11-12.

[30] Arendt Hannah: Vita activa oder Vom tätigen Leben. München 1981, S. 11.

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